Androsch
Hier sieht man den Andreas.
Es ist zwar nicht so, dass der Andreas so gar nix vom Internet wissen will, aber er ist halt ein sehr fauler schüchterner Mensch. Deswegen schreibt er zur Zeit auch noch recht wenig. Genau genommen gar nix. Weder an Beiträgen, noch über sich selbst. (Weswegen der Link zu Andreas’ Beiträgen eigentlich auch Quatsch ist, aber wer weiß, vielleicht kann man ihn ja doch noch mal brauchen. Also den Link.)
Natürlich versuchen wir den Andreas zu belabern überzeugen, auch mal was zu schreiben. Aber weder Essensentzug noch ein dreistündiges Konzertvideo der Spastelruther Naschkatzen haben bei ihm zu einer Einsicht geführt. Mal sehen, was uns noch so einfällt. Das respektieren wir natürlich. Deshalb steht hier also noch nichts wirklich Sinnvolles - außer eben dieser Erklärung. Aber mit uns ist die Hoffnung, dass der Andreas vielleicht doch… eines fernen Tages… wir werden sehen.
Na sieh mal… jetzt ist´s so weit! Dann schreib ich jetzt was zu mir:
Aber, Was gibt es da schon zu sagen?   Viel!             Nur, was sagt uns das?
Also, “Andreas” genannt wird mein gewünschtes Dasein als WG-Oldie seit Anbeginn dieser Sprengel-WG geduldet. Mittlerweile habe ich seit meiner Geburt zehn Schaltjahre erlebt. Oder anders ausgedrückt: ca. 1,4 Milliarden Sekunden sind seit dem verstrichen. In dieser Zeit habe ich es geschafft,
- als “verhätscheltes” Einzelkind mit Oma und Mutter in Freiburg im Breisgau aufzuwachsen
- vier mal die Schule zu wechseln
- mich verprügeln zu lassen und selbst zu verprügeln
- drei mal mit meiner Mutter in eine neue Wohnung zu ziehen
- zu lernen, wie man mit Öl heizt
- ständig neue Freunde zu suchen
- mich an einen Stiefvater zu gewöhnen
- ein mal von der Schule runter geschmissen zu werden (natürlich klassischerweise in der 8. Klasse sitzengeblieben!)
- ständig meine Mutter mit meiner Kontrakommunikativität zur Weißglut zu bringen
- meine Mutter zu verstehen, da mein jüngster Sohn die gleiche Marotte jetzt an mir auslebt
- meine Oma fast abgöttisch zu lieben
- auf Partys, in Discos und Kneipen rum zu hängen
- festzustellen, dass ich heterosexuelle Beziehungen genießen kann, aber nicht in der Lage bin, sie dauerhaft zu führen
- mit meinem frisierten Mofa durch die Stadt zu heizen
- tatsächlich den Realschulabschluss (mit Ach und Krach) zu erlangen
- skeptisch, lust- und orientierungslos die Berufswelt zu beäugen
- den Motorrad- und Autoführerschein zu machen
- meine zwei ersten Autos (voll besetzt mit Schutzengeln) zu Schrott zu fahren
- mich ziellos für acht Jahre (!) bei der Bundeswehr zu verpflichten
- fest zu stellen, dass dies die “falsche” Entscheidung war
- trotzdem daraus zu lernen und Erfahrungen zu sammeln
- mein erstes Motorrad zu kaufen
- mich von Freiburg zu trennen und neue Städte kennen zu lernen
- mittlerweile 15 mal um zu ziehen
- die Vor- und Nachteile einiger Drogen kennen zu lernen
- alleine und mit Freunden zusammen supergeile Motorradtouren zu machen
- im Anschluss an die Bundeswehrzeit die Fachhochschulreife (als Jahrgangsbester) nach zu holen
- eine Berufsperspektive zu entwickeln
- mich in Hamburg nieder zu lassen
- viele Live-Konzerte und Festivals zu besuchen
- festzustellen, dass ich homosexuelle Beziehungen genießen kann, aber nicht in der Lage bin, sie dauerhaft zu führen
- Sozialpädagogik zu studieren und einen guten Abschluss zu machen
- als Belohnung und mit (relativ) viel Geld in den Taschen in meinem alten /8er monatelang durch Frankreich, Spanien und Portugal zu tingeln
- einen ersten Job in Lübeck zu bekommen
- eine Frau kennen zu lernen, die ich (damals noch) liebte
- ruck zuck zwei Söhne zu zeugen - die bis heute meine Sonnenscheine sind
- mich von dieser Frau (und leider auch gezwungener maßen von den Kindern) wieder zu trennen
- trotzdem mit den Kindern in engem Kontakt zu bleiben
- eine schöne Zeit lang mit Garten auf dem Land zu leben (teilweise sogar mit meinen Kindern zusammen)
- zu lernen, wie man mit Kohle heizt
- unbeabsichtigt fast einen Nussbaum “verbluten” zu lassen
- Obst und Gemüse anzubauen
- mich für verschiedenste Thesen, Ideen und Ideologien zu begeistern
- mich wieder von ihnen zu verabschieden
- drei Wellensittiche, zwei Hamster, vier Katzen, 12 (Zahme) Ratten, sieben Hühner, vier Lamas, ganz viele Mäuse, Kopfläuse und anderes Getier mehr oder weniger freiwillig über die Jahre hinweg in meinem Haushalt zu versorgen
- die Überzeugung zu erlangen, den richtigen Job gewählt zu haben
- Erfahrungen in vielen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe zu sammeln
- festzustellen, dass ich in der Lage bin, auch mit nicht dauerhaften hetero- homo- oder sonstigen sexuellen Beziehung glücklich zu sein
- immer wieder einen neuen Job zu finden
- meine eigene Definition von Religion zu entwickeln
- Freundschaften über viele Jahre hinweg zu genießen und halten
- nie reich zu werden oder viel Geld zu besitzen
- trotzdem viel in der (großen und kleinen) “Welt” rum zu tingeln
- mich jeden Tag ein bisschen mehr von Klischees zu entfernen
- mehrere Versuche zu starten, ein Musikinstrument zu lernen
- mehrere Versuche zu starten, einem Sportverein bei zu treten
- Erfahrungen in der Erwachsenenbildung zu sammeln
- mit meinem Motorroller durch Berlin zu heizen
- nächtelang durch die Straßen zu ziehen
- stundenlang vor der Glotze zu hocken
- nächtelang zu spielen, musizieren, visualisieren oder verbalisieren
- stundenlang komatös Löcher in die Luft zu starren und diese mit Schweigen zu füllen
- das Staunen nicht zu verlernen
- mich nicht vom Computer- und WWW-Virus befallen zu lassen
- mich als hoffnungslosen Optimisten zu akzeptieren
- noch vielen anderen Sinn und Unsinn zu veranstalten
Tja, das ist doch Einiges - und auch wiederum fast Nichts! Denn schließlich: “Nur der Unwissende sieht als Vielheit, was in Wirklichkeit ein Einziges ist”. Und das heißt in diesem Fall “Andreas” und ist live und in Farbe nur in Berlin (vollständig) zu erleben. Offen für jedes Thema und jede Frage (sie muss ja nicht beantwortet werden).