Marcus
Je, nun, das Stef meint ich soll mich hier mal vorstellen, also stelle ich mich hier mal vor.
An einem wunderschönen Sommertag des Jahres 1967 gezeugt, erblickte ich im Februar des revolutionären Jahrgangs 1968 in Bad Oldesloe (Damals: Wirtschaftszentrum im Aufbau zwischen Hamburg und Lübeck) erstmals ein Krankenhaus von innen.
Kurz darauf wurde ich zu meinen Großeltern nach Hamburg verfrachtet, und blieb da erst einmal ein paar Jahre. Ungefähr so lange, bis ich beim wochenendlichen Auftauchen meiner Mutter verschreckt hinter der Schürze meiner Oma stehen blieb und Angst vor der fremden Frau zeigte. Daraufhin kam ich zurück nach Bad Oldesloe, in den Kindergarten. Dort konnte ich wenigstens nicht nur weiterhin die Beziehung zu meiner Mutter verlieren, sondern dazu auch noch die zu meiner Oma. Es gab da allerdings ein Fräulein Uschi, die war nett! Und ich erinnere mich einmal einen Kackhaufen in Form einer Kirche abgesetzt zu haben. Ein Wunder!
Außer dem netten Mädchen in unsere Hochhaussiedlung, die die schon Schuhe zubinden konnte und deshalb neben Fräulein Uschi zu meinen frühkindlichen Lieben zählte, erinnere ich aus dieser Zeit natürlich noch den Thomas, der dann später zu meiner frühpubertären Liebe wurde, und den Nachbarn, der auf seinem Regal eine mitgebrachte Kitsch Plastik Gondel aus Venedig stehen hatte, die man mit bunten Lämpchen beleuchten konnte. Das war nämlich das Schönste auf der ganzen Welt!
Und dann zogen wir um, nicht weit, aber eben weg von den vollgepissten, nie funktionierenden Fahrstühlen und den spannend-geheimnisvollen Graffitties in den Treppenhäusern, die bevorzugt Genitalbereiche abbildeten, also ab in die Langeweile eines bürgerlichen 12 Mieter Wohnblocks mit Aussicht auf die Trave und davor weidende Schafe.
Vorher machten wir aber noch schnell Urlaub in Jugoslawien, ja, das gab es damals noch, bei irgendeiner Familie die illegal Unterkünfte vermietete die ein Arbeitskollege meines Vaters, ebenfalls nicht viel legaler, vermittelte. Was soll ich sagen? Das Leben als blonder kleiner nordeuropäischer Knabe am Strand eines kommunistischen Arbeiter Sommerlagers an der Adria war mehr als spannend! Ich kaufte in fremden Sprachen Pommes ein, handelte auf dem Markt um einen Brustbeutel aus Leder mit aufgedruckten Fischen und fand es unendlich aufregend wenn meine Eltern spät des Nachts angetrunken nach Hause kamen, kicherten und herumstöhnten.